TEXTBLATT – Freiheit ohne Grenzen

Am 1. August 1835 notiert der in Kopenhagen geborene junge Philosoph und Theologe in seinem Tagebuch Was mir eigentlich fehlt, ist, ins Reine mit mir selbst zu kommen, darüber, was ich tun soll, nicht was ich erkennen soll. Es kommt darauf an, meine Bestimmung zu verstehen, zu sehen, was Gott eigentlich will, dass ich tun soll. Damit rückt die eigene Existenz ins Zentrum des Denkens. Der Umbruch, den die Philosophie dadurch erfährt, ist nur mit dem von Marx herauf Geführten zu vergleichen, der in seinen Thesen über Feuerbach schreibt. Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt darauf an, sie zu verändern. Entsprechend hätte Kierkegaard schreiben können Für die Philosophen sind Welt und Geschichte Gegenstände der Kontemplation und des Wissens.

Der Philosoph, der ein System errichtet, beginnt mit einem ersten. Hegel setzt als dieses erste den abstrakten, das heißt ganz leeren Begriff des Seins und arbeitet sich von dort aus zur Wirklichkeit vor. Und wie geht Kierkegaard vor? Auch ihm geht es um ein erstes, aber eines, das den Menschen als existierenden betrifft die Sünde. Wie kam die Sünde in die Welt?

Die herkömmliche Antwort lautet Durch die Sünde Adams. Adams Sünde bedingt die sündige Arbeit als Konsequenz. Nein, ruft Kierkegaard, und man spürt in seinem Text seine ganze Empörung. Wäre dies so, dann läge Adam wirklich außerhalb des Geschlechts, gehörte nicht zum Menschengeschlecht, und seine Sünde wäre von ganz anderer Art als unser aller Sünden. Nun, und wie löst Kierkegaard das Problem? Wie erklärt er, dass die Sünde in die Welt kam? Indem er den Gehalt der biblischen Erzählung in einem Satz zusammenfasst Die Sünde kam in die Welt hinein durch eine Sünde. Für unsern Verstand ist das keine Erklärung, sondern, wie Kierkegaard selbst eingesteht, ein Ärgernis. Versuchen wir seinen Gedanken zu verstehen.

By Heinz Duthel

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Author: Apotheker Verlag

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