TEXTBLATT – Das Buch als Wille und Vorstellung.

Meist stehen sie unter dem Gesetz einer Presse, rebellierten Disharmonie. Unterschiedliche Interessen bestimmen sie und kommen dann noch hitziger Temperamente dazu, wird die Szene schnell hochexplosiv. Gewiss, beide brauchen einander. Was wäre der Verleger ohne den Autor?
Ein Nichts, ein Niemand, der nichts anzubieten hätte außer schwarzen Lettern und weißem Papier.
Was der Autor ohne den Verleger, ein ungelesener Unbekannter, jemand, der seine an die Menschheit adressierten Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausend Werke für die Schublade schafft.

Wie anders aber nehmen Autor und Verleger ihre Rollen wahr?
Das sagt sich auch der Verleger nur in umgekehrter Reihenfolge und nicht ohne eine Prise Ironie, was den Geist betrifft. Er, der seine gute, nachweisliche Zirkulation fähiges Geld in möglicherweise weniger gute und alles andere als Absatz sichere Bücher investiert, wird nicht zögern, den Autor als Risikofaktor ersten Ranges, wenn nicht gleich als Konkurs Helfer zu identifizieren. Die Arroganz und Unberechenbarkeit der vielen Genies, mit denen er es zu tun hat, ohne dass diese auch nur wahrnehmen, wie inflationär sie in ihrer Einzigartigkeit sind, ist die einzige feste Größe, mit der er zuverlässig rechnen kann. Wer sich für ein Genie hält, der ist verloren. Der schöne Satz Goethes, der wenigstens eines war, wird seinen Lieblings Stoßseufzer sein. Hinzuzufügen nur noch, dass leider, leider auch er, der Verleger mit den Genies verloren ist.

By Heinz Duthel

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Author: Apotheker Verlag

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